
Vertrauen. Es hält Menschen und Organisationen zusammen und wirkt doch immer zerbrechlicher. Aktuelle Erkenntnisse aus dem 2025 Edelman Trust Barometer und dem World Economic Forum Future of Jobs Report 2025 zeigen, wie sich Vertrauen am Arbeitsplatz verändert. Doch gerade jetzt können Unternehmen die Geschichte des Vertrauens neu schreiben, wenn Führung und interne Kommunikation Verantwortung übernehmen.
Das Spannende: Mitarbeitende vertrauen ihren CEOs mehr als Regierungsvertreter:innen oder Medienleuten. Allerdings mit einem großen „Wenn“. Dieses Vertrauen ist an Bedingungen geknüpft: Transparenz, klare Werte und ein Engagement für Themen, die Mitarbeitenden wirklich wichtig sind. Gleichzeitig zählen ganz normale Mitarbeitende selbst zu den glaubwürdigsten Botschafter:innen ihrer Organisation. Weil man sich mit ihnen identifiziert, haben ihre Stimmen Gewicht. Aber nur, wenn sie ermutigt werden, ehrlich zu erzählen.
Schauen wir uns die wichtigsten Ergebnisse an: Warum ist Vertrauen in der Arbeitswelt wichtiger denn je? Und wie können HR und Führungskräfte jetzt handeln?
Bevor wir zu den Lösungen kommen, lohnt sich eine Frage: Warum ist das alles so wichtig?
Wenn Mitarbeitende ihrer Führung vertrauen, bleiben sie engagierter, bleiben dem Unternehmen länger treu und empfehlen es sogar außerhalb der Arbeit weiter. Bröckelt das Vertrauen dagegen, leiden Innovation, Teamarbeit und Produktivität spürbar.
Und Vertrauen existiert nicht in einer Blase. Äußere Faktoren wie geopolitische Herausforderungen und rasante Entwicklungen wie KI dringen durch alle Ritzen und wirken sich auf den Arbeitsplatz aus. Ein Beispiel aus dem World Economic Forum Future of Jobs Report 2025:Fast 40 % der heutigen Kompetenzen werden bis 2030 überholt sein. Dazu kommt der wachsende Ruf nach Transparenz. Das setzt Führungskräfte stark unter Druck, ehrlich und verantwortungsvoll aufzutreten.
Das Fazit? Wer als Führungskraft Vertrauen nicht aktiv fördert, fällt zurück.
Die Edelman-Studie zeichnet ein ernüchterndes Bild. Das Vertrauen in Institutionen wie Unternehmen, Medien und Regierungen sinkt. 68 % der Menschen weltweit bezweifeln, dass Führungskräfte die Wahrheit sagen. Doch es gibt einen Lichtblick. CEOs genießen im Vergleich zu anderen Spitzen von Institutionen nach wie vor besonderes Vertrauen. Mitarbeitende erwarten von ihnen Authentizität und entschlossenes Handeln.
Aber Achtung: Dieses Vertrauen gilt nicht bedingungslos. Führungskräfte müssen drei Dinge tun:
Führungskräfte, die diese Punkte angehen, erhalten Vertrauen nicht nur. Sie bauen es aus und machen Herausforderungen zur Chance, Integrität zu zeigen.
Eine spannende Wendung: Laut dem Bericht gelten ganz normale Mitarbeitende als authentische Markenbotschafter. Warum? Man kann sich mit ihnen identifizieren. Sie stehen für echte, gelebte Erfahrungen in Ihrer Organisation, mit allen Ecken und Kanten. Ihre ungeschönten, ehrlichen Geschichten kommen an, intern wie extern.
Ein Weckruf für HR- und Kommunikationsteams: Sie brauchen keinen Star-CEO, um Vertrauen aufzubauen. Oft erzählen ganz normale Teammitglieder Ihre Geschichte am besten.
Für HR und interne Kommunikation geht es beim Vertrauensaufbau nicht um große Gesten. Es geht um die kleinen Momente im Alltag, die Führung und Mitarbeitende Schritt für Schritt verbinden.
So gelingt es:
Mitarbeitende erwarten keine Perfektion, aber Ehrlichkeit. Mittelmäßige Ergebnisse können Respekt gewinnen, wenn sie offen kommuniziert werden. Schönfärberei dagegen erzeugt Misstrauen.
Ein inspirierendes Beispiel ist Tom Conrad, Interim-CEO von Sonos. Nach einem schwerwiegenden App-Fehler, der dem Ruf des Unternehmens schadete, beschönigte Conrad nichts. In seinem Brief an die Mitarbeitenden räumte er die Versäumnisse direkt ein und sprach den Frust der Kund:innen offen an, etwa mit: „We’ve let far too many people down this year.“
Doch Conrad blieb nicht bei den Problemen stehen. Er zeichnete eine Vision für die Zukunft von Sonos und blieb dabei bodenständig und nahbar (er erzählte sogar, dass seine Sonos-Lautsprecher im Kreißsaal bei der Geburt seiner Tochter liefen!). Diese Balance aus Demut und Hoffnung ist eine Vorlage für Führungskräfte, die in schwierigen Momenten Glaubwürdigkeit gewinnen wollen.
💡 So können Sie unterstützen: HR- und Kommunikationsteams sollten Führungskräfte darin coachen, diese Balance zu finden. Helfen Sie ihnen, Botschaften zu formulieren, die Ehrlichkeit, Menschlichkeit und Zuversicht verbinden. Führungskräfte müssen nicht alle Antworten haben. Sie müssen nur echt wirken.
Vertrauen entsteht in der Lücke zwischen Worten und Taten. Mitarbeitende erwarten, dass Führungskräfte die Werte leben, die sie predigen. Stellen Führungskräfte Menschen vor Profit, gerade in schwierigen Zeiten, wächst das Vertrauen.
Ein Beleg? Der Edelman-Bericht zeigt: 68 % der Mitarbeitenden vertrauen CEOs mehr, wenn ihr Unternehmen aktiv gesellschaftliche Probleme angeht, die seinen Stakeholdern schaden (z. B. Nachhaltigkeit oder Desinformation). Unternehmen müssen nicht jedes gesellschaftliche Problem lösen. Aber gezieltes Handeln im Einklang mit den eigenen Werten bewirkt viel.
💡 So können Sie unterstützen: Sorgen Sie für Abstimmung zwischen den Abteilungen, damit die öffentliche Kommunikation der Führung zum Handeln im Unternehmen passt. Mitarbeitende bemerken Konsistenz und wissen sie zu schätzen.
Im Edelman-Bericht stimmen 77 % der Menschen zu, dass die Sicht von Mitarbeitenden auf die Unternehmenskultur besonders glaubwürdig ist. Deshalb sollte Storytelling Priorität haben. Ermutigen Sie Mitarbeitende, ihre echten Erfahrungen zu teilen, und machen Sie ihre Geschichten in internen Kanälen und nach außen sichtbar. Das ist ansprechend. Das ist nahbar. Und am Ende vertrauenswürdig.
Ein echter Gamechanger aus den Edelman-Daten: Mitarbeitende gelten als glaubwürdiger als CEOs, wenn es um authentische Geschichten über ihre Organisation geht (77 % der Menschen stimmen zu, dass die Sicht von Mitarbeitenden auf die Unternehmenskultur besonders glaubwürdig ist). Damit stehen Mitarbeitende im Zentrum einer ungenutzten Chance, Vertrauen aufzubauen, intern wie extern.
Denken Sie mal darüber nach: Wem würden Sie beim Thema Unternehmenskultur eher glauben? Einer Führungskraft mit glatt polierten Botschaften oder einer Kollegin, die ungeschminkt von ihren Erfahrungen erzählt?
💡So können Sie unterstützen:
Wenn Mitarbeitende ihre Erfahrungen teilen dürfen, gewinnt die Geschichte des Unternehmens an Authentizität.
Das ist nicht nur gute Praxis, sondern überlebenswichtig. Mitarbeitende werden mit Botschaften überflutet: E-Mails, Benachrichtigungen, Videos, alle kämpfen um Aufmerksamkeit. Wer da durchdringen will, muss echte Räume für Feedback von Mitarbeitenden schaffen.
💡 So können Sie unterstützen: Führen Sie Tools wie Echtzeit-Umfragen oder Live-Chat-Q&As bei Town Halls ein. Verabschieden Sie sich von reiner Top-down-Beschallung und geben Sie das Wort ab.

Wir stecken in einer Vertrauenskrise. Doch die interne Kommunikation hat die Werkzeuge, um Organisationen beim Wiederaufbau zu helfen. Ob Sie Führungskräften die richtigen Worte an die Hand geben, Mitarbeitenden eine Stimme verleihen oder die Lücke zwischen Führung und Teams schließen: Vertrauen beginnt von innen.
Wenn Mitarbeitende ihrer Führung und ihren Kolleg:innen vertrauen, werden sie eher zu Fürsprecher:innen der Organisation. Und wenn externe Stakeholder diese Stimmen hören, entsteht ein Welleneffekt.
Doch Vertrauen ist zerbrechlich. Es ist nur so stark wie das Bekenntnis Ihrer Organisation zu gelebter Authentizität. Das Fundament dafür legen HR und Kommunikation hinter den Kulissen.
Das Erfolgsrezept dahinter:
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